Freigeschaufelte Vergangenheit: Der Förderverein Liberale Synagoge in Darmstadt erinnert an „Zehn Jahre Fund und die Folgen“

Bei Aushubarbeiten für einen Neubau auf dem Gelände des Klinikums wurden 2003 Reste der Liberalen Synagoge entdeckt. Der damalige Oberbürgermeister Peter Benz ließ die Baumaßnahmen stoppen. An die Reaktionen von damals wurde am Dienstagabend im Liebighaus erinnert.

Abbildung Freigeschaufelte Vergangenheit: Der Förderverein Liberale Synagoge in Darmstadt erinnert an „Zehn Jahre Fund und die Folgen“

Die 1876 eingeweihte und 1933 in der Reichspogromnacht niedergebrannte Liberale Synagoge in der Friedrichstraße zählte zu den höchsten und prächtigsten Gebäuden Darmstadts. Dank ihrer vier imposanten Türme und ihres außergewöhnlichen Baustils war sie ein beliebtes Postkartenmotiv. Umso verwunderlicher ist es, dass ihr Standort nach der Zerstörung fast in Vergessenheit geriet.

Pfarrer Rüdiger Grundmann schilderte am Dienstagabend im Liebighaus, wie es zur „wundersamen Wiederentdeckung“ (Martin Frenzel) ihrer Überreste kam. Grundmann hatte aus einem Buch erfahren, dass die Synagoge auf dem Gelände des heutigen Klinikums gestanden hatte. Als er 2003 eine Bekannte im Krankenhaus besuchte, fiel sein Blick auf das Areal, auf dem ein neues Krankenhausgebäude errichtet werden sollte. Er fürchtete, dass dabei Reste der Synagoge vernichtet werden könnten, und verständigte die jüdische Gemeinde.

Die Entscheidung von Oberbürgermeister Peter Benz, die Bauarbeiten nach Bergung der ersten Fundstücke sofort ruhen zu lassen, stieß vor allem bei den Chefärzten, die sich den Neubau dringend wünschten, auf Widerstand. Alle Baupläne mussten noch einmal kosten- und zeitaufwendig überarbeitet werden. Die Folgen: sechs Jahre Bauverzögerung, acht Millionen Euro Mehrkosten für den Neubau und eine Gedenkstätte.

Den ausführlichen Artikel über die Erinnerung an "Zehn Jahre Fund und die Folgen" finden Sie auf den Seiten von Echo-Online.

  

(Bildquelle: Echo-Online.de)

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