Erinnerung an die Pogromnacht vor 75 Jahren am Standort der ehemaligen Synagoge in Wiesbaden

Für gute zwei Stunden sperrte die Polizei am Samstagabend die Coulinstraße für den Autoverkehr: Es wurde ruhig in der Innenstadt. Viele Menschen versammelten sich schweigend am Standort der ehemaligen Synagoge am Michelsberg, an die nur noch ein Grundriss erinnert.

Abbildung Erinnerung an die Pogromnacht vor 75 Jahren am Standort der ehemaligen Synagoge in Wiesbaden

Die Menschen kamen auf Einladung der Jüdischen Gemeinde und der Stadt zu einer Gedenkstunde anlässlich der Pogromnacht. Am 9. November vor 75 Jahren initiierte die NS-Führung den Gewaltexzess gegen jüdische Deutsche, der als so genannte „Reichskristallnacht“ in die Geschichte einging. Gotteshäuser und Geschäfte wurden verwüstet, Menschen erniedrigt, getötet oder ins KZ verschleppt.

In der Abenddämmerung war das Textrelief, das in die Wände entlang der Coulinstraße eingelassen ist, eindrucksvoll beleuchtet. Verzeichnet sind dort 1.507 Namen von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt, von Kindern, Frauen und Männern, die von den Nazis ermordet wurden. Das Gedenken an die Pogromnacht sei nicht zu einem sinnentleerten Ritual geworden, wie Oberbürgermeister Sven Gerich betonte: „Dem ist nicht so, dem darf nicht so sein.“

Er ging auf Martin Walsers Frankfurter Friedenspreis-Rede ein, in der vom Holocaust als „Moralkeule“ die Rede war. Walser dürfe nicht recht behalten, wenn er von Gedenkveranstaltungen sprach, die nur noch „mit hohlen Floskeln“ angefüllt seien. Wer nicht an das größte Pogrom der Neuzeit erinnere, „macht sich schnell des Vergessens schuldig“. Es gehe darum, die eigene Geschichte anzunehmen und damit „Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen“.

Den ausführlichen Artikel über die Gedenkfeier in Wiesbaden finden Sie auf den Seiten des Wiesbadener Tageblatt.

  

(Bildquelle: Wiesbadener-Tageblatt.de)

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