„In Viehwaggons zur Ermordung“: Besuchergruppe ehemaliger jüdischer Gießener Bürger gedenkt Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft

Es herrscht jedes Mal eine zutiefst bedrückende Atmosphäre, wenn am Jüdischen Mahnmal auf dem Neuen Friedhof die Namen der Vernichtungslager genannt werden, in denen die Menschen, denen hier gedacht wird, ermordet wurden.

Abbildung „In Viehwaggons zur Ermordung“: Besuchergruppe ehemaliger jüdischer Gießener Bürger gedenkt Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft

Diese Aufgabe übernahm mit Itai Klein der Enkel von Josef und Ela Stern. Der junge Mann aus Israel gehört zu einer siebenköpfigen Besuchergruppe ehemaliger jüdischer Gießener Bürger und ihrer Nachkommen, die zurzeit, auch aus den USA kommend, für die alle zwei Jahre stattfindende Begegnungswoche in Gießen zu Gast sind. Bevor im Rahmen der Gedenkstunde Dow Aviv, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Gießen, gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Stadtverordnetenvorsteher Egon Fritz einen Kranz niederlegte, hielt Gemeindemitglied Isaak Kamenir auf Hebräisch das traditionelle jüdische Totengebet „El Male Rachamim“.

In seiner kurzen Ansprache rief Aviv jene schrecklichen Bilder jüdischer Mitbürger in Erinnerung, die damals durch Gießens Straßen zum Bahnhof getrieben wurden, von wo aus man sie dann „in Viehwaggons zu ihrer Ermordung transportierte“. Es müsse alles dafür getan werden, damit sich dies nicht wiederhole, appellierte er an alle Umstehenden, zu denen auch viele Gießener Freunde und Wegbegleiter gehörten. Laut Grabe-Bolz seien „die unsäglichen Entrechtungen durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zugleich Mahnung an uns, alles in unserer Macht Stehende zu tun, damit Rassismus und Antisemitismus keinen Einfluss haben“. Sie sei sehr froh darüber, dass die Jüdische Gemeinde „einen Platz inmitten von Gießen gefunden hat, und da gehört sie auch hin“. Aviv bekräftigte in diesem Zusammenhang den Wunsch der Gemeinde nach einem Zusammenleben ohne Vorurteile und dass dies „zur Selbstverständlichkeit wird“. Dazu gelte es, „täglich an Toleranz und Verständigung zu arbeiten“, betonte Grabe-Bolz. Zudem stellte Aviv erfreut fest, dass Kinder und Enkelkinder „die Tradition der Begegnungswoche fortsetzen“.

Den ausführlichen Artikel über die Gedenkstunde in Gießen finden Sie auf den Seiten des Gießener Anzeigers.

  

(Bildquelle: Giessener-Anzeiger.de)

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