„Das Gedenken ist unverzichtbar“ - Initiative Denkzeichen Güterbahnhof in Darmstadt erinnert an die Deportationen

Auf der Außenanlage der Synagoge in der Wilhelm-Glässing-Straße ist am Sonntag der 3500 Juden, Sinti und Roma gedacht worden, die 1942 und 1943 vom Güterbahnhof aus in Vernichtungslager der Nationalsozialisten deportiert wurden.

Abbildung „Das Gedenken ist unverzichtbar“ - Initiative Denkzeichen Güterbahnhof in Darmstadt erinnert an die Deportationen

Der transparente Würfel ist als Denkmal ein Symbol für die rund 3500 deportierten Juden, Sinti und Roma, die von Nationalsozialisten in Vernichtungslager gebracht worden sind. Seit März steht der Kubus im Außenbereich der Synagoge in der Wilhelm-Glässing-Straße. Die jüdische Gemeinde hat ihm Obdach gewährt, nachdem an seinem ursprünglichen Standort am Güterbahnhof er mehrmals beschädigt wurde. Dort gedachten am Sonntag Menschen der Deportierten.

„Zu einer Kultur des Widerstands gehört das Erinnern, gehören Denkmäler“, sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne), während der Gedenkfeier, zu der die Initiative Denkzeichen Güterbahnhof eingeladen hatte. Doch so wie der Glasquader hinter dem Rednerpult inzwischen als Metapher für früheren und heutigen Fremdenhass gleichermaßen taugt, spannte auch Partsch den Bogen vom Nationalsozialismus hin zu rechtspopulistischen und rechtsradikalen Strömungen dieser Zeit.

„Es ist noch lange nicht alles gut“, lautete die Essenz seines Vortrags. Im faschistischen Deutschland habe Zu- und Wegschauen die Zivilbevölkerung zu Mittätern gemacht, die Entmenschlichung der Bürger jüdischen Glaubens sei im doppelten Wortsinne „unheimlich“ geschehen – vor aller Augen nämlich. Doch auch, wenn die „schlimmste Vernichtung der Menschheitsgeschichte“ der Vergangenheit angehöre, gebe es für die Gesellschaft noch Aufgaben.

Partsch berichtete von einer Studie der Antidiskrimierungsstelle des Bundes, laut der viele Deutsche die Minderheiten im Land mit „ausgeprägter Gleichgültigkeit“ sehen. Mit Blick auf die Scherben im Inneren des Denkmals schloss Partsch: „Wir sehen, wie schnell etwas zu Bruch gehen kann, wenn wir nicht aufpassen.“

Einer ähnlichen Argumentation folgt anschließend auch Daniel Neumann von der jüdischen Gemeinde gegenüber den etwa vierzig Gästen. Wo sich Partsch noch sachlich gegen Judenhass und Antiziganismus ausgesprochen hatte, rüttelte Neumann auf: Der „ideologische Giftcocktail“ habe nie aufgehört zu existieren. Auch, wenn es befreiend sein könne, den „Ballast der Geschichte abzuwerfen“, sei Gedenken unverzichtbar. Nur so könne das kollektive Versagen dem Kreislauf des Vergessens entrissen werden.

Den ausführlichen Bericht über die Gedenkveranstaltung finden Sie auf den Seiten von Echo-Online.

  

(Bildquelle: Echo-Online.de)

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