Jüdisch, vorsichtig, optimistisch

Seit Jahrzehnten bewacht die Polizei die Bad Nauheimer Synagoge. In einer Zeit, in der über das Aufkommen eines neuen Antisemitismus’ berichtet wird, macht das nachdenklich.

Abbildung Jüdisch, vorsichtig, optimistisch

»Hallo, Sascha«, schüttelt Monik Mlynarski, Ehrenbürger und Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, dem Eintreffenden die Hand. Alexander Shkolnikov nimmt Platz in der Cafeteria der Synagoge, Schauplatz des Interviews über die Gefühlslage von Juden angesichts der Terrorlage und antisemitischer Äußerungen bei Demonstrationen.

Die beiden Männer kennen sich schon seit 1996, als Shkolnikov mit seiner Familie aus der Ukraine nach Deutschland kam: mit den Eltern, seiner Frau und dem damals zweijährigen Sohn. Die Familie wanderte im Rahmen eines Programms für Kontingentflüchtlinge ein, das vorsah, jüdischen Sowjetbürgern ein Leben in Deutschland zu ermöglichen. »Wir wollten nach Frankfurt, aber das klappte nicht. Es gab bestimmte Quoten, nach denen die Ankommenden auf Landkreise verteilt wurden. Wir landeten in Ober-Mockstadt«, schildert der 42-Jährige. Dank Mlynarski, der seinerzeit schon Vorsitzender der jüdischen Gemeinde war, gelang die Übersiedelung nach Bad Nauheim. Bauingenieur Shkolnikov und seine Frau, eine Biologie- und Chemielehrerin, die im Labor arbeitet, bekamen in Deutschland noch eine Tochter. Sie ist 14 und besucht das Gymnasium, während der Sohn auf Lehramt studiert.

»Eine Cola?«, fragt Mlynarski, worauf Shkolnikov das Getränk in die Gläser gießt. In Deutschland ist er zufrieden, hat Freunde und ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn. Mit offenem Antisemitismus hatte er erst einmal zu tun, als sein Gegenüber eine abfällige Bemerkung über Juden machte – worauf er sich als Jude vorstellte. Auch Mlynarski, der die Beziehungen zur Stadt und zu anderen Religionsgemeinschaften als sehr gut bezeichnet, kennt so etwas: »Ich fuhr im Taxi vom Hauptbahnhof, wobei der Fahrer immer wieder auf Gebäude zeigte: ›Das gehört alles einem Juden.» Ich erwiderte: ›Sicher hat er Dreck am Stecken», darauf der Fahrer: ›Das denke ich auch.» Als wir bei mir ankamen, sagte ich: ›Übrigens: Dieses Haus gehört auch einem Juden.»«

Den ausführlichen Artikel über das Gespräch der Wetterauer Zeitung mit der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim finden Sie auf den Seiten der Wetterauer Zeitung.

  

(Bildquelle: Wetterauer-Zeitung.de)

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