Synagoge als »tragbare Heimat«

Freude über die Rückkehr jüdischen Lebens in die Stadtmitte von Gießen und deutliche Worte zur aktuellen Diskussion um die Situation der Flüchtlinge in Deutschland und Europa prägten am Sonntagabend die Feier zum 20-jährigen Jubiläum der Einweihung der Synagoge und des Gemeindezentrums im Burggraben.

Abbildung Synagoge als »tragbare Heimat«

Auch Juden hätten auf ihrer Flucht vor den Verbrechen des Naziregimes oft den Satz »Das Boot ist voll« gehört; heute ergehe es Flüchtlingen »an der ungarischen Grenze« ebenso, sagte Prof. Alfred Jacoby vom Landesvorstand der jüdischen Gemeinden in Hessen.

Knapp 100 Gäste hatten sich im Gemeindesaal der jüdischen Gemeinde am frühen Abend versammelt, darunter der neue Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel, Unipräsident Prof. Joybrato Mukerhjee und Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich für den Magistrat der Stadt.

In seiner Begrüßung und später einem kurzen Vortrag erinnerte Gemeindevorsitzender Dow Aviv an die vom Ehepaar Jakob und Thea Altaras geprägte Entstehungsgeschichte der neuen jüdischen Gemeinde. Es sei ein »sehr emotionales und fröhliches Fest« mit Gästen aus »allen Ecken Deutschlands« gewesen, als das jüdische Gemeindezentrum am 27. August 1995 eingeweiht wurde. Im Mittelpunkt stand damals die aus Wohra nach Gießen translozierte Fachwerksynagoge. Die Idee von Thea Altaras, eine typische hessische Landsynagoge nach Gießen zu verpflanzen, sei gleichermaßen »bestechend und umstritten« gewesen. Mir dem kleinen Gotteshaus sei ein Stück des von den Nazis ausgerotteten hessischen Landjudentums gerettet und »eine Brücke zur deutsch-jüdischen Tradition« geschlagen worden. Ähnlich formulierte es auch Jacoby. Er bezeichnete die ehemalige Landsynagoge als identitätsstiftende »tragbare Heimat«.

Den ausführlichen Artikel über die Feierlichkeiten in Gießen finden Sie auf den Seiten der Gießener Allgemeine.

  

(Bildquelle: Giessener-Allgemeine.de)

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