Daniel Neumann war zum Gespräch mit Hanno Wille-Boysen in der Pauluskirche

Keine leichte Aufgabe. So mitten im Jahr des Reformationsjubiläums soll einer Stellung zu Luther beziehen, der sich eigentlich nur kritisch äußern kann; Luthers Judenhass ist hinlänglich bekannt. Daniel Neumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, hatte sich aber gerne auf das Gespräch in der Pauluskirche am Mittwochabend eingelassen, sich über die Einladung von Pfarrer Hanno Wille-Boysen „sehr gefreut“.

Abbildung Daniel Neumann war zum Gespräch mit Hanno Wille-Boysen in der Pauluskirche

Es hat lange gedauert, bis sich die evangelische Kirche in Deutschland durchringen konnte, sich mit Luthers Judenhass genauer zu befassen. Vor erst zehn Jahren startete die Diskussion, nicht zuletzt, weil man zum Lutherjahr ein offizielles Statement abgeben wollte. Während der Reformator zuerst hoffte, die Juden zum Christentum bekehren zu können, wurde seine Ablehnung um so größer, als dies nicht gelang. Das mündete in der berüchtigten Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543. 

Pfarrer Wille-Boysen hatte sich gewünscht, bei dem Gespräch deutlich „einen Spiegel vorgehalten zu bekommen“. Dem entzog sich Neumann im Gespräch aber konsequent: „Bei uns ist es normal, dass viel gestritten wird, und im Alten Testament werden gerade die Juden oft ambivalent dargestellt. Wir kennen also die Tiefe auch der dunklen Seite der Religion“, sagte er. Mit den dunklen Seiten Luthers müssten sich die evangelischen Christen schon selber auseinandersetzen.

Wenn Luther die Abkehr von kirchlichen Traditionen vorangetrieben habe, so habe er dennoch auch eine „antisemitische Linie geschaffen, die im Holocaust mündete“, sagte Neumann. Er zog den Begriff „antisemitisch“ in Bezug auf Luther dem Begriff „antijudaistisch“ vor – ein Kernthema in der Auseinandersetzung um Luther.

Den ausführlichen Artikel über das Gespräch zwischen Daniel Neumann und Hanno Wille-Boysen finden Sie auf den Seiten von Echo-Online.

   

(Bildquelle: Echo-Online.de)

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