Landkreis Wetterau: nur noch in Bad Nauheim gibt es Zeremonien in der Synagoge

Über Jahrhunderte lebten Juden in fast jedem Wetterauer Dorf. Sie stellten bis zu 20 Prozent der Bevölkerung, unterhielten dort ganz selbstverständlich ihre eigenen Gotteshäuser und Friedhöfe. Die Nationalsozialisten und große Teile der Bevölkerung vernichteten dieses Kulturerbe am und um den 9. November 1938.

Abbildung Landkreis Wetterau: nur noch in Bad Nauheim gibt es Zeremonien in der Synagoge

Und heute? Im Osten der Wetterau gibt es nur noch eine Familie, die sich zum jüdischen Glauben bekennt. Sie lebt in Büdingen. Von ihr abgesehen, haben es die Nazis geschafft, jüdisches Leben in dieser Gegend bis zum heutigen Tag zu verhindern.

Es wird dort auch nicht wiederkommen, glaubt Manfred de Vries. Er wohnt im Usinger Land und gehört zum Vorstand der letzten jüdischen Gemeinde im Wetteraukreis. Sie zählt rund 300 Mitglieder. Zum Beten treffen sie sich an der Bad Nauheimer Karlstraße in der einzigen Synagoge, die noch rituell genutzt wird. Und das unter Polizeischutz. Während der Schabbat-Gottesdienste am Freitag und Samstag schickt die Polizei stets einen Streifenwagen vor die Tür des jüdischen Gotteshauses. Das Risiko eines antisemitischen Anschlages wird offenbar so hoch eingeschätzt, dass der Staat seit vielen Jahren diesen Aufwand treibt.

Die Bad Nauheimer Juden waren immer schon anders als ihre Glaubensgenossen auf dem Lande, sagt Manfred de Vries. "Wir waren eine Sommergemeinde - im Winter wurde die Synagoge zugemacht." In den warmen Monaten kamen bis 1933 aus vielen Ländern wohlhabende jüdische Kurgäste in die mondäne Kleinstadt. Die Synagoge war für sie vor allem ein Ort gesellschaftlicher Begegnung. Große Spenden ermöglichten es der Gemeinde, 1929 die große neue Synagoge im Bauhaus-Stil zu eröffnen. Sie fasst 250 Sitzplätze. Doch nur zehn Jahre später waren fast alle Gemeinde-Mitglieder auch aus dem relativ toleranten Bad Nauheim vertrieben. 1939 verkaufte die jüdische Gemeinde die Synagoge an die Stadt, die das Haus als Lagerraum nutzte. Bei der Pogromnacht am 9. November 1938 war es von fanatischen Nazis zwar angezündet worden, doch einige Bürger löschten das Feuer frühzeitig.

Den ausführlichen Artikel über die Jüdische Gemeinde Bad Nauheim finden Sie auf den Seiten des Kreis-Anzeiger.

  

(Bildquelle: Kreis-Anzeiger.de)

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