Darmstadts Juden verzichten auf Kippa

Nach dem gewaltsamen Angriff auf zwei Kippa-tragende Juden in Berlin wird die rituelle Kopfbedeckung auch auf Darmstadts Straßen nicht zu sichten sein - nicht aus Furcht, sondern eher aus Gewohnheit, sagt Daniel Neumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadts.

Abbildung Darmstadts Juden verzichten auf Kippa

Die rund 650 Mitglieder seien "nicht so fromm oder religiös, um dieses Symbol ständig in der Öffentlichkeit zu tragen." Das gelte auch für ihn selbst.

Nur der Rabbiner trage die Kippa ständig - allerdings unter einer Baseball-Kappe versteckt. "Weniger aus Angst vor Angriffen, sondern aus Unlust, immer als Exot angegafft oder angesprochen zu werden". Das komme "schrecklich oft vor". Vorfälle wie den in Berlin habe es in Darmstadt aber nicht gegeben, sagte Neumann am Mittwoch auf Anfrage.

Demonstrationen in Berlin, Köln und Erfurt als "nette Geste"

Zu erhöhter Vorsicht hatte Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, in dieser Woche gemahnt. Er rät Einzelpersonen davon ab, "sich offen mit einer Kippa im großstädtischen Milieu zu zeigen". Neumann, der auch Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen ist, erklärte dazu, die Kopfbedeckung sei nicht nur ein religiöses Symbol. "Wer es trägt, der tritt auch als Botschafter eines Wertekanons auf". Das sei in multikulturellen Städten wie London oder New York einfacher, in Frankfurt schon riskanter - "in muslimisch geprägten Vierteln würde ich davon abraten, Kippa zu tragen." In Deutschland sei es generell "nicht möglich, sie unbefangen zu tragen".

Die geplanten Demonstrationen in Berlin, Köln und Erfurt ("Berlin trägt Kippa") begrüßt er als "nette Geste". Aber damit erreiche man keinen einzigen Judenfeind. Wichtiger sei, nachhaltige Konzepte gegen Antisemitismus zu erarbeiten, "in Bildung, Familie und Gesellschaft".

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(Bildquelle: Echo-Online.de)

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